Oliver Wendt - Grenzgänger

Zweite Spezies II
Das Finale der Galaktischen Reisen

Science-Fiction Roman

von Oliver Wendt
ISBN-Softcover: 978-1-326-146481

 

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Inhaltsangabe:
 


Nach den ersten verstörenden Begegnungen mit den Roten Wesen fliegt die Besatzung der Chrysanthemia nach Cradle, dem Herkunftsplaneten der Torerbauer. Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Interessen von Brendan und Mariju sich so gar nicht mit denen der Xinianer decken, die offenbar einen Pakt mit den fremden und sehr dominanten Lebensformen von Cradle eingehen wollen, um endgültig die Gewalt über sämtliche Sprungtore in der Milchstraße zu erlangen. Als sich bald abzeichnet, dass auch die Torerbauer ein Interesse daran entwickeln in die Heimatgalaxie der Menschheit zu gelangen, wird es höchste Zeit die Wurmlochverbindungen nach Andromeda für immer zu kappen.

 

Leseprobe Zweite Spezies - Teil II

 

 

 

25 - Cradle Orbit

 

Die Chrysanthemia nutzte, wie die meisten anderen interstellaren Schiffe, die Fusionator- und Kompri­matortechnik für ihre Antriebe. Diese ausgeklügelte Methode hatte mit Quarks und Leptonen, mit Ext­remspaltung und höchster Energie-Effizienz zu tun. Um es vereinfacht auszudrücken: Die Rohstoffe, also der Fusionstreibstoff, den die Chrys benötigte, um hunderte Jahre durch den Raum fliegen zu können, wurden mit Hilfe des Komprimators derart aufge­spalten und komprimiert gelagert, dass ein Millio­nenfaches ihres Outputs mitgeführt und verwendet werden konnte. Dazu wurden die ursprünglichen Rohstoffe, hauptsächlich Helium, Tritium oder Deuterium, in kleinste Teilchen aufgeteilt und ge­trennt voneinander aufbewahrt. Bei Bedarf fügte der Komprimator sie wieder zusammen und führte sie dem Fusionator zu, dem eigentlichen Trieberzeuger des Schiffs. Der unglaubliche Vorteil bestand in einer langen Betriebs- und Flugdauer. Der Nachteil hinge­gen war, dass die ursprüngliche Masse der Vorräte dadurch nicht abnahm, also dementsprechend über­proportional viel Energie aufgewendet werden musste, um die komprimierte Fracht mitzuführen. Im Weltraum relativierte sich dies nach einigen Be­schleunigungssequenzen. War die Chrys erst einmal auf Fahrt, wurde kaum noch Brennmaterial benötigt. In Atmosphären von Planeten jedoch verbrauchte das Schiff ungeheure Mengen an Fusionsmasse, um nicht wie ein Stein auf die Oberfläche zu fallen. Und obwohl die Chrysanthemia atmosphärentauglich gebaut worden war, versuchte Brendan stets zu vermeiden mit ihr auf einem Planeten zu landen. Es sei denn, die Tanks waren ohnehin bereits entspre­chend dezimiert. Schon die Landung auf Aqua hatte ihn eine große Portion der Vorräte gekostet, weshalb er nun entschied nur mit einem Shuttle auf die Ober­fläche von Cradle zu fliegen.

Der Flug mit der Chrys nach Cradle verlief unge­wöhnlich ruhig. Weder ein Molluskenschiff, noch sonst irgendeine Abwehrmaßnahme schlug ihnen entgegen. Spätestens als sie die 5 Zwerge und den Metallplaneten Strange passiert hatten, wären sie für jedes noch so primitive Teleskop von Cradle aus zu erkennen. Einstein bemerkte nebenbei, dass nicht nur Aqua und Cradle, die sich auf einer identischen Umlaufbahn um Life befanden, mit der gleichen Geschwindigkeit um ihre Sonne flogen, sondern auch die 5 Zwerge und Strange. Die kreisten zwar in einem weiteren Radius, hielten aber stets exakt den Abstand zu Aqua wie auch Cradle. Neu war diese Erkenntnis nicht, aber sie verdeutlichte den Insassen der Chrys nochmals, zu welchen Leistungen die Zweite Spezies in der Lage war. Einstein ging fest davon aus, dass sie es war, die dies herbeigeführt hatte und wunderte sich abermals, dass sie dennoch ein so defensives und geradezu zurückhaltendes Verhalten an den Tag legte. Ein fremdes Schiff in der Nähe eines menschlich besiedelten Planeten wäre bereits umzingelt von Abfangjägern, wenn nicht sogar längst in seine atomaren Einzelteile zerlegt worden. Beunruhigend war diese ungewöhnliche Stille dennoch. 

Als sich die Chrysanthemia in einem idealen Abstand zu dem Planeten befand, so dass sie bei Gefahr im­mer noch rechtzeitig fliehen konnte, aber dennoch nahe genug dran, um die Oberfläche und die Struk­turen von Cradle zu scannen, ließ Klick-Klick sie über dem größten Meer des Planeten stationär mit der Rotation des Planeten kreisen. Zuvor waren sie einige Male um sämtliche Breiten- und Längengrade geflogen und hatten die Land- und Wassermassen katalogisiert. Brendan wollte seinen Erkundungs­trupp nicht unvorbereitet hinunter schicken und ließ sich daher Zeit. Solange sie nicht angegriffen wur­den, bestand kein Grund zur Eile.

„Ein schöner Planet“, stellte Mariju fest. Cradle erin­nerte an die alte Erde, schimmerte ebenso blau und war durchzogen von weißen Wolkenbändern. Die Kontinente, die ebenfalls auf Plattentektonik basier­ten, warfen das Licht von Life ausnahmslos hell­braun bis sandfarben zurück. Größere Wälder hatten sie bisher nicht ausmachen können.

„Eindeutig Terra-Klasse“, sagte Einstein. „Die Atmo­sphäre ist dichter als die von Aqua, die Gesamtmasse des Planeten jedoch in etwa identisch. Die Luft lässt sich schwerer atmen, die Schwerkraft ist etwas höher als Standard, hat bei kürzeren Besuchen aber kei­nerlei gesundheitliche Folgen.“

„Irgendwelche Hinweise auf die Zweite Spezies?“, fragte Brendan, der ebenfalls angetan von der eben­mäßigen Schönheit von Cradle war.

„Einige“, sagte Einstein. „Wir haben festgestellt, dass es 320 Ansammlungen konzentrierter Biomasse gut verteilt auf dem Planeten gibt. An jedem dieser Orte befinden sich künstliche Bauten und zahlreiche Raumschiffe oder andere mobile technische Ge­fährte. Wir können das momentan nicht näher be­stimmen. Unsere Aufzeichnungen aber sagen uns, dass es sich bei den meisten Objekten um Raumjäger oder Schiffe dieser Größenordnung handeln muss, denn sie sind erst nach unserer Ankunft in diesem System hier eingetroffen. Insgesamt haben wir 5387 solcher Schiffe gezählt. Rund 16 Schiffe an jeder der 320 Konzentrationen.“

„Also meinst du bei diesen Konzentrationen handelt es sich um Zentren, eine Art Städte?“, wollte Brendan wissen.

„Könnte durchaus sein. Wie gesagt, es gibt Gebäude, Schiffe und viel Biomasse. Aber wir haben weder Verkehr noch auffällige Infrastruktur erkennen kön­nen. Was fehlt sind außerdem die Bewohner.“

„Ich denke, es gibt reichlich Biomasse.“

„Das ist das, was die Scanner uns sagen“, meinte Klick-Klick daraufhin. „Viel Biomasse, aber die Indi­viduen, die wir bisher ausgemacht haben, sind aus­nahmslos primitive Lebensformen niederer Gattung – also Tiere. Und zahlenmäßig rechtfertigen sie auch nicht das reichhaltige Vorkommen genannter Bio­masse. “

„Ich vermute, die Evolution hat auf diesem Planeten ein vollkommen neues System entwickelt“, sagte Einstein.

„Es nutzt alles nichts“, sagte Brendan dann und stand auf. „Wir müssen runter und selbst nachgu­cken. Sonst zerbrechen wir uns noch in Wochen die Köpfe.“

„Ich gehe in jedem Fall mit!“ Einstein sprang gera­dezu von seinem Sitz und zupfte seinen Kittel zu­recht. Brendan schüttelte den Kopf. „Nein, diesmal machen wir es ganz anders.“

„Was heißt das?“ Nun stand auch Mariju auf und stutzte. „Wir werden doch wohl alle zusammen runtergehen oder etwa nicht?“

„Das ist bei so fremdartigen Voraussetzungen, wie sie auf Cradle offenbar herrschen mehr als unklug.“

„Captain Brendan hat vollkommen Recht“, sagte Green. „Ein Teil von uns muss auf der Chrys bleiben – für alle Fälle. Es gibt viel zu viele Variablen bei dieser Mission.“

„Da ist übrigens noch etwas, Captain“, sagte Klick-Klick, der ruhig und besonnen an seiner Konsole saß. Die anderen schauten sich interessiert zu ihm um. „An einem der Biozentren befinden sich auch die gekaperten Notkapseln der Xinianer. Es ist zu ver­muten, dass die Insassen der Kapseln sich ebenfalls dort aufhalten.“

„Die Multifunktionsanzüge der Xinianer senden normalerweise ein Signal in kleinen Intervallen aus, so dass sie jederzeit von ihrem Mutterschiff geortet werden können, insbesondere bei derartigen Einsät­zen.“ Mariju lief zu ihrem Platz zurück und tippte etwas in ihren Computer. „Ich kenne die Frequenzen der Signale.“ Nach einem kurzen Augenblick öffnete sich ein Holoschirm im Raum, worauf eine Land­masse des Planeten mit der durch einen weiten roten Kreis markierten Biomasse zu sehen war. Außerdem zeigte die Karte 13 Einzelpunkte, die sich an unter­schiedlichen Orten innerhalb des Zentrums befan­den. „Es sind noch 13 von ihnen am Leben.“

„Wo ist dieser Ort?“, fragte Brendan.

„Auf dieser Seite des Planeten“, antwortete Klick-Klick. „20° unterhalb unserer Position, östlich, wenn sie so wollen.“

„Verstehe!“

„Wie also willst du es machen?“, fragte Mariju.

„Wir werden mit unserer besten Ausrüstung in Lizzy runterfliegen. Und zwar Klick-Klick und ich.“

„Und was ist mit mir?“, fragte Mariju fordernd. „Ich soll doch nicht hier rumsitzen und euch nur be­obachten?“

„Du wirst dich bereithalten und gegebenenfalls mit Felicitas nachkommen. Aber nur, wenn ich es dir ausdrücklich sage oder wir in großer Gefahr sind.“

„Mit Felicitas?“ Mariju blickte kurz zu dem Haus­haltsroboter, der reglos in einer Ecke stand und mit den Wimpern klimperte. Felicitas ließ sich zu einem trotzigen Grinsen herab und blickte dann arrogant zur Seite. „Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein.“

„Und wer soll den Planeten wissenschaftlich unter­suchen?“, empörte Einstein sich. „Brendan, bei allem Respekt, aber du interessierst dich doch nicht die Bohne für Untersuchungen wissenschaftlicher Natur. Ich meine, es ist doch enorm essentiell, dass wir genau wissen, mit was wir es zu tun haben.“

„Klick-Klick ist in der Lage mir beizustehen und gleichzeitig alle nötigen Informationen zu sammeln, die wir brauchen“, entgegnete Brendan und wendete sich bereits zum Gehen.

„Aber warum, bitte, FELICITAS? Die schubst mich doch geradezu ins Unglück!“ Mariju ging Brendan mit großen Schritten hinterher und hob die Arme, um sie gleich darauf wieder fassungslos fallen zu lassen.

„Einstein soll ihr vorher einige Spezialprogramme draufladen“, sagte Brendan. Dann drehte er sich in der Türe nochmals um: „Hört zu, ich habe meine Gründe. Diese hohe Konzentration an Biomasse macht mich erheblich stutzig. Weder Klick-Klick noch Felicitas haben irgendetwas mit Biomasse zu tun. Der große Vorteil von Robotern – sie sind als eigenständig handelnde Individuen nicht identifi­zierbar.“

„Was glaubst du denn, was dich da unten erwar­tet?“, fragte Mariju. „Ein fleischfressendes biomassi­ges Supermonster, das nur darauf wartet neue Opfer zu verschlingen?“

„Warum nicht?“, entgegnete Brendan. „Das würde zumindest erklären, warum es wenig tierische Viel­falt auf Cradle gibt und die Zweite Spezies sich noch nie von dort fortbewegt hat. Da sie nie von Cradle wegkommt, muss, was immer sie am Leben erhält, zu ihr kommen, oder?“

„Aber Einstein hat lediglich von Biomasse gespro­chen, nicht von der Zweiten Spezies. Es sind keiner­lei Individuen nachweisbar.“

„Wir machen es so, wie ich es gesagt habe. Auch ich habe manchmal einen siebten Sinn, Mariju. Okay?“

Abweisend schnaubend, sich aber der gegebenen Hierarchie unterordnend nickte sie kaum wahr­nehmbar: „Bitte, wie du meinst. Du bist ja der Boss. Obwohl ich immer der Meinung war, dass es auf der Chrys etwas anders zugeht als auf anderen Schiffen.“

„Mariju, du machst es einem wirklich nicht leicht. Und du, Einstein, kommst schon noch zu deinen Untersuchungen. Der Planet fliegt ja nicht gleich in die Luft nur weil ich darauf lande. Aber bedenkt bitte einmal, dass ich es bin, der als Captain im Dienste der Gardisten von Prätor meinen Kopf hin­halten muss, wenn etwas schief läuft.“

„Ach, komm schon!“ Mariju winkte ab und drehte ihm den Rücken zu. „Als ob es dich interessiert, welche Interessen die Prätorianer verfolgen. Wir machen doch hier sowieso längst schon unser eige­nes Ding oder etwa nicht? Aber es ist ja auch egal. Du hast schon Recht – einer muss schließlich das Sagen haben. Sonst kommen wir zu nichts.“

„Danke!“

„Aber melde dich jede halbe Stunde bei uns. Wenn wir länger als eine Stunde nichts hören, kommen wir euch suchen.“

„Ich melde mich jede Stunde“, sagte Brendan. „Und wenn ich mich zwei Stunden am Stück nicht gemel­det habe, dann folgt ihr uns mit dem zweiten Shuttle, in Ordnung?“

„Immer das letzte Wort!“

„Als Captain ist das wahrscheinlich normal, oder?“ Er schenkte ihr noch ein aufmunterndes Lächeln, daraufhin verließ er die Zentrale und begab sich in die Ausrüstungskammer. Klick-Klick folgte ihm wortlos.

„Ich bin ganz froh, nicht hinunter zu müssen“, fand Green. „Aber dass ich einfach so übergangen werde, finde ich auch nicht angenehm.“

„Ach, Green!“ Einstein rückte seine Brille zurecht und klopfte dem Amaviriden auf die Schulter. „Du musst nicht immer alles so persönlich nehmen. Be­denke, dass Brendan sich für uns alle verantwortlich fühlt und bestimmt nicht aus Egoismus handelt. Vielleicht ist das alles hier bald vorüber. Und dann fliegen wir gemeinsam nach Azur – was meinst du?“

„Ja, vielleicht, Professor.“ Green wendete sich seiner Konsole zu. „Obwohl selbst diese ferne Heimat so fremd für mich ist wie Cradle auch.“

„Wasse fürr Programme?“ Felicitas schwebte auf ihrem Einbein hinüber zu Mariju und betrachtete sie herablassend. Doch die erwiderte ihren Blick mit der selben Verachtung und sagte mit in die Hüften ge­stemmten Armen: „Wenn ich nicht wüsste und mehr als deutlich sehen würde, dass du ein Roboter bist und deine bizarre Art und Weise außerdem von Brendan so gewollt, wärst du für mich wirklich das Allerletzte.“ Felicitas klimperte einige Male hektisch mit den Wimpern. Sie war absolut nicht in der Lage irgendeinem Menschen auch nur ein Haar zu krümmen, vermittelte aber stets den Eindruck eine bissige zickige Mittvierziger Spanierin zu sein, die sich permanent auf den Kittel getreten fühlte.

„Da ich mir dieser Tatsachen aber bewusst bin“, fuhr Mariju entnervt fort, „werden wir wohl beide mit Brendans Entscheidung leben müssen. Und was die Programme angeht, da wendest du dich am besten an Einstein. Der kennt sich damit besser aus.“

„Ja, wollen mal sehen.“ Einstein wollte diese Gele­genheit nutzen der eigenwilligen Haushälterin end­lich das eine oder andere Fehlverhalten abzugewöh­nen beziehungsweise gänzlich zu löschen. Brendan hatte schließlich nichts Gegenteiliges erwähnt. „Ich denke, wir können viel für dich tun, Felicitas. Viel­leicht beseitigen wir als erstes einmal diesen uner­träglichen Sprachfehler.“

Mariju musste grinsen, ob des entsetzten Blickes von Felicitas. „Sssie sssind nicht freundlich zu mir, Señores y Señoras!“

 

 

26 - A.O.S.

 

„Prinzipat! Prinzipat!“ Nervas Leibdiener und Sek­retär Confido kam in den Hof, ausnahmsweise schnellen Schrittes, wo der alte Prätorianer soeben einen Kaffee nahm und sich Gedanken über den weiteren Verlauf der Konferenz machte. Zwar war man zunächst zu einem allgemeinen Konsens ge­kommen und sich einig darüber, dass ein fortfüh­render Krieg in der jetzigen Lage niemanden weiter­brachte, aber es gab zu viele Unsicherheiten und unzuverlässige Elemente dabei. Die größte Sorge bereitete ihm dabei noch nicht einmal Okeanos, der durchaus die Stärke besessen hätte den gesamten Spiralarm zu unterwerfen. Es war eher der wahnsin­nige Rabhas, dem jedes Mittel Recht wäre die Ober­hoheit über die Menschheit zu erlangen. Daher ver­mutete er auch, dass Sekretär Confido ihm irgend­eine Hiobsbotschaft über eine neue Machenschaft des Padishas überbringen wollte. Selten wirkte der hagere Confido gehetzt oder unbesonnen. Doch dieses Mal war er regelrecht außer Atem, als er in den Hof gestürmt kam und seine schlammfarbene Toga über den Arm gerafft trug, um schneller laufen zu können. Selbst der sonst so kunstvoll, wenn auch seltsam zusammengeschnürte Knoten seiner langen dünnen Haare wirkte derangiert. Vor dem ausla­denden Sessel von Nerva blieb er dann stehen. „Prinzipat!“ Confido holte ein paar Mal Luft und blickte sich um, ob außer den üblichen Bediensteten noch andere etwaige lauschende Personen anwesend waren. Als dem nicht so war, wartete er darauf, dass er sprechen durfte.

„Confido“, sagte Nerva. Er stellte seine Tasse auf den kleinen Tisch neben sich und bedeutete dem Sekretär sich zu setzen.

„Nein, nein, Prinzipat Nerva. Danke, aber ich - wir - müssen sofort wieder zurück.“

„Was gibt es denn so Wichtiges?“

„Wir haben Nachrichten von unserem Schiff, Prinzi­pat! Von unserem Schiff in Andromeda!“

Nun richtete sich Nerva auf. Confido erhielt schlag­artig seine ungeteilte Aufmerksamkeit. „Von der Chrysanthemia?“

„Ja, Prinzipat. Von der Chrysanthemia!“

„Aber, wie ist das möglich?“, fragte Nerva, dessen Knochen und Gelenke ihm seit geraumer Zeit enorm zu schaffen machten. Er wusste kaum in welcher Position er schmerzfrei sitzen oder liegen konnte.

„Die Permanentverbindungen, die wir auch für die Konferenz nutzen“, sagte Confido. „Wir haben seit Konferenzbeginn sämtliche sensiblen Empfangsge­räte an die Tore angebracht und, wie sie ja selbst angeordnet hatten, nutzen wir die Kanäle auch für die Kommunikation mit unseren Außenposten.“

„Und? Was gibt es Neues? Sind sie weitergekom­men?“ Er versuchte sich so aufzurichten, dass er Confido gerade ins Gesicht blicken konnte.

„Prinzipat, sie sollten am besten mitkommen in un­sere astronomische Beobachtungsstation. Dort gehen nicht nur die Nachrichten ein, wir haben auch die Möglichkeiten sämtliche Informationen bildlich darzustellen und auszuwerten. Senator Seaberry erwartet sie bereits.“ Der Prinzipat brummte und ächzte bei seinem Versuch aufzustehen.

„Ich werde ihnen einen Gleiter holen“, meinte Con­fido sofort, denn Nerva gelang es einfach nicht sich zu erheben. Der Sekretär drückte sich kurz aufs Ohr und sprach etwas in die voll integrierte Funkanlage. Er war schon seit vielen Jahren in den Diensten Ner­vas, aber erst seit kurzer Zeit so gut wie ständig an seiner Seite, da der alte Mann zusehends gebrechli­cher und unvorsichtiger wurde. Und da Confido ein prätorianischer Mann von Ehre und großer Loyalität war, lag ihm sehr viel am Wohle des Prinzipats. Kurz darauf erschien ein Diener mit einem Gleiter, der sich geschickt unter den Sessel des Prinzipats schob und ihn dann neben Confido aus dem Hof führte.

Nerva und Confido bestiegen das hauseigene Regie­rungsshuttle und flogen in die nahegelegene Stadt Aventin, die schon nach wenigen Minuten hell unter ihnen schimmerte. Alle Gebäude waren weiß oder in unterschiedlichen Cremenuancen getüncht, die grö­ßeren offiziellen und auch Regierungsgebäude hatte man sogar in weißem Marmor erbaut. Aventin war eine pittoreske Stadt, eine gelungene Mischung aus neoklassizistischen und hypermodernen Architektu­ren, die sich nahtlos ineinander fügten und dabei eine strahlende und vor Kraft strotzende Einheit bildeten. Der Regierungsbezirk, der sich im Zentrum der Stadt befand, bildete dabei einen unübersehba­ren Blickfang, dessen oberster Hügel von dem Fo­rum Aventin gekrönt wurde, einer Stadt in der Stadt, in der sich tempelartige und säulengeschmückte Gebäude aneinanderreihten und der prätorianischen Hauptstadt ihren altrömischen Charakter gaben. Noch immer blickte Nerva gerne aus seinem Shuttle hinunter auf diesen lebendigen Ort, von dem seiner­zeit die Impulse zur Entstehung der Neutralen Be­hörde gekommen waren. Heute war sich Nerva sicher, dass eine den gesamten Orionarm umfas­sende neutrale Institution überhaupt nicht aufrecht­zuerhalten und schon gar nicht zu kontrollieren war. Es grenzte ja schon an ein Wunder, dass die Men­schen auf Prätor eine stabile und beständige einheit­liche Gemeinschaft bildeten, in der es seit der Be­siedlung des Planeten noch keinen einzigen Krieg gegeben hatte.

Das Shuttle landete auf einer der Plattformen, die direkten Zugang zur AOS hatte, einem eher unauf­fälligem kleinen Kuppelbau, an dem einige Stern­warten und etliche kleinere Gebäude angeschlossen waren. Der gesamte Komplex jedoch lag direkt ne­ben den wuchtigen Regierungsgebäuden, wo sich auch die große Senatshalle und die Büroräume von Nerva befanden. Trotz aller Schmerzen weigerte sich Nerva dem Rat seines Sekretärs zu folgen und in dem Sessel auf dem Gleiter zu bleiben. Er stützte sich daher auf Confido und verließ mit seiner Hilfe das Shuttle, an deren Ausgang bereits ein kleiner Tross Beamter der AOS warteten. Sie wirkten angespannt, allen voran der Leiter der AOS, Senator Seaberry, der sogleich auf den Prinzipat zuschritt und ihn be­grüßte. De Facto war Seaberry mit seinem Amt als Leiter der AOS auch Chef des prätorianischen Ge­heimdienstes und einer von Nervas wichtigsten Untergebenen.

„Prinzipat, ich grüße sie“, sagte der rotgesichtige Seaberry. Nerva und sein Sekretär blieben stehen. Der Prinzipat wollte nicht länger warten bis er die ersten Neuigkeiten hörte: „Was haben sie erfahren, Seaberry?“

„Wir konnten endlich einen Kontakt zur Chrysanthe­mia herstellen, Prinzipat“, meinte der besorgt drein­blickende Senator.

„Das weiß ich bereits. Was genau hat Brendan uns mitteilen lassen?“

„Eine ganze Menge, Prinzipat“, sagte Seaberry. „Er hat ein sehr kompaktes Datenpaket an uns geschickt mit den genauen Koordinaten seines Aufenthaltes, dem Ablauf aller Ereignisse seit Eintreffen in Andromeda und einiges Interessantes mehr. Darüber möchte ich aber unter vier Augen mit ihnen spre­chen.“

„Geht es um die Tore?“

„Ja, allerdings“, sagte Seaberry. Er ging dicht an den Prinzipat heran, den Sekretär misstrauisch beäu­gend, woraufhin Nerva entrüstet meinte: „Confido ist absolut integer, Seaberry. Sie kennen ihn doch nun lange genug. Also sagen sie schon! Was ist los?“

„Wir haben die Konstruktionspläne für die Erbau­ung eigener Tore“, sagte Seaberry sehr leise. „Und können somit natürlich auch die Beschaffenheit der bereits vorhandenen Molluskentore besser verste­hen.“

„Was bedeuten würde, dass wir sie wieder in Betrieb nehmen können?“

„So schnell geht das nicht, Prinzipat“, beschwichtigte Seaberry ihn. „Aber es könnte eines Tages so sein, ja. Nichtsdestotrotz hat Brendan noch einiges mehr übermittelt, aber dazu sollten sie sich ihr eigenes Bild machen. Er empfiehlt jegliche weitere Nutzung der Tore zu unterbinden, insbesondere einen direkten Zugang zwischen dem Orionarm und Andromeda. Diese fremden Aliens sind offenbar extrem gefähr­lich aber obendrein noch überhaupt nicht einschätz­bar. Ein direkter Kontakt mit unseren beiden Syste­men könnte ungeahnte Risiken bergen. Genaueres kann ich ihnen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Meine Mitarbeiter sind noch dabei sämtliche Daten auszuwerten.“

„Bringen sie mich in ihre Zentrale!“, sagte Nerva. „Ich will genau wissen, was Brendan herausgefun­den hat und wie es um unsere Situation bestellt ist. Je nachdem, was wir erfahren, muss ich die Konferenz einberufen.“

Seaberry hielt ihn kurz am Arm fest. „Prinzipat!“, sagte er eindringlich. „Sie sollten sich gut mit dem Senat beraten, bevor sie weitere Schritte unterneh­men. Die Konferenz ist zwar eine einmalige Gele­genheit auf Dauer Frieden zu schaffen, aber wir sollten gewisse Vorteile auch nicht unbedingt mit jedermann teilen.“

Der Prinzipat nickte und schaute zu den anderen Beamten hinüber, die neugierig ihre Hälse reckten. „Machen sie sich mal keine Sorgen, Seaberry. Ich werde keinerlei Entscheidungen an dem Senat vorbei treffen – es sei denn, es ist Eile geboten. Ist denn die Crew des Schiffs in Gefahr?“

„Soweit ich das bisher beurteilen kann nicht“, sagte Seaberry.

„Dann gehen wir jetzt rein und ich sehe mir alles in Ruhe an.“

In der astronomischen Beobachtungsstation herrschte reges Treiben. Das war jedoch nicht alleine auf die jüngst eingegangenen Nachrichten aus Andromeda zurückzuführen, sondern vielmehr auf den generell relativ neuen Sachverhalt mittels der Tore ein zeitnahes Kommunikationsmittel zur Ver­fügung zu haben. Darüber hinaus bündelten sich in diesen Räumen sämtliche Informationen in Bezug auf den Krieg, die Konferenz und nennenswerten politischen Veränderungen innerhalb der relevanten Planetensysteme. So gesehen war die AOS (Astrono­mical Observation Station) der Geheimdienst von Prätor und unverzichtbar für den derzeitigen Verlauf aller nationalen und internationalen Handlungen.

Seaberry führte den Prinzipat und seinen Sekretär in einen abgeschirmten Büroraum, der erhöht über dem Hauptsobservationssaal lag und von diesem durch eine Panzerglasscheibe getrennt war. In dem Saal arbeiteten rund 50 Beamte an den verschiedensten astronomischen und anderen technischen Anlagen, saßen vor Bildschirmen oder größeren Hologram­men, deren Inhalte sie mit Kollegen besprachen oder auswerteten. Nerva war froh sich endlich wieder hinsetzen zu können.

„Confido bleibt hier“, sagte Nerva, nachdem Seab­erry den Sekretär einige Sekunden strafend ange­guckt hatte. „Auch wenn es in ihrer Natur liegt Misstrauen zu entwickeln, brauchen sie es nicht zu übertreiben, Senator.“

„Sicher! Wie sie meinen.“ Er setzte sich hinter seinen Schreibtisch und aktivierte einen Störsender, der sich rund um den Raum legte, damit sie nicht abgehört werden konnten. Gleich darauf ließ er ein raumfül­lendes Hologramm erscheinen, in dem Andromeda und die heimatliche Milchstrasse mit dem Orionarm zu sehen waren. Der Büroraum hatte sich abgedun­kelt und die drei Männer befanden sich mitten in der Sternenflut beider Galaxien. „Also!“, begann Seab­erry. „Ich komme gleich zu den bisher ausgewerte­ten Fakten.“ Nerva nickte nur.

„Gardist Brendan hat seit seiner Landung in Andromeda Kenntnis von zwei unabhängig vonei­nander existierenden Spezies, wovon die eine höchstwahrscheinlich nicht planetaren Ursprungs ist. Er nennt sie die Roten Wesen und bezeichnet sie als zumindest wohlwollend, wenngleich ihre Denk­weise mit der unsrigen in keinster Weise zu verglei­chen ist. Die Individuen dieser Spezies, die sich chemisch und physikalisch von allem unterscheiden, was wir bisher kennen gelernt haben, haben giganti­sche Ausmaße von mehreren hundert Kilometern. Sie ähneln eher Planeten als Lebewesen und besitzen die Fähigkeit zu Raumsprüngen. Mit ihrer Hilfe ist es Gardist Brendan auch gelungen diese Distanz innerhalb weniger Sekunden zurückzulegen.“ Seab­erry ließ eine dünne rote Linie in dem Hologramm aufleuchten, die die Strecke von dem Austrittstor bis ins Dwarf-System markierte.“

„Für diese Distanz hätten sie Jahre benötigt“, stellte Nerva fest.

„Ganz Recht, Prinzipat. So ist es. Mit Hilfe dieser roten Wesen jedenfalls ging es schneller. Wir haben die Protokolle der Chrysanthemia und finden Brendans Angaben absolut bestätigt. Es besteht also kein Zweifel an der Richtigkeit seiner Aussage.“

„Das hätte ich ohnehin nicht angenommen, Senator. Ich habe nicht zufällig Captain Brendan für diese Aufgabe ausgewählt.“

„Sicher, Prinzipat. Das glaube ich ihnen gerne. In meinem Job aber muss ich zunächst einmal alles hinterfragen, sonst könnte ich den Posten auf der Stelle verlassen, glauben sie mir.“

„Ja, ja.“ Nerva winkte mit der Hand ab. „Machen sie weiter! Was noch?“

„Gardist Brendan glaubt, dass die Roten Wesen von der zweiten Spezies, die übrigens auch so bezeichnet werden…“

„Zweite Spezies?“

„Genau. Also, diese Zweite Spezies hat die Roten Wesen Jahrtausende oder zumindest über einen sehr langen Zeitraum hinweg ausgebeutet, da nämlich sie es waren, die sozusagen die lebendigen Sprungtore darstellten, mit deren Hilfe die Zweite Spezies zu anderen Planetensystemen gelangen konnte. Außer­dem waren die Roten Wesen in der Lage die enor­men Energiemengen dorthin zu transferieren, wo die Zweite Spezies dann später ihre eigenen Tore instal­liert hatte. Brendan behauptet, die Technologie sei von der Beschaffenheit der Roten Wesen abgekupfert worden. Jedenfalls scheint die Zweite Spezies hierbei der Aggressor zu sein. Sie haben nicht nur die Roten Wesen so gut wie ausgerottet, sondern auch die Mollusken unterdrückt, sie gleichzeitig aber geför­dert. Wir vermuten, weil sie der Zweiten Spezies als perfekte Sklaven und Erfüllungsgehilfen dienten. Seltsamerweise nämlich tritt die Zweite Spezies außerhalb ihres Planeten nie auf den Plan.“

„Welcher Planet ist das?“, fragte Nerva und blickte interessiert in die holographische Darstellung von Andromeda, wo nun in einem völlig anderen Bereich der Galaxie das Life-System mit seinen Planeten aufleuchtete.

„Der Planet heißt Cradle und blinkt gelb auf. Die Chrysanthemia befindet sich im Augenblick in einer orbitalen Position um den Planeten. Die Gardisten sind dabei ihn zu erforschen, um mehr über die Zweite Spezies herauszufinden. Interessanterweise befinden sich auf Cradle auch 13 xinianische Solda­ten, die unter Hades nach Andromeda gekommen waren. Deren Schiff jedoch wurde attackiert und zerstört.“

„Zerstört? Von wem?“ Nerva wunderte sich über diesen einzigartigen Bericht der Zerstörung eines xinianischen Militärschiffs.

„Vermutlich war es die Zweite Spezies. Es ist aber nicht nachweisbar, da sich, wer auch immer, einer ausgeklügelten Abwehrtechnik bedient hat, die voll­kommen autoaktiv funktioniert. Ich werde ihnen davon aber später berichten. Das führte jetzt zu weit. Brendan hat versucht die Xi zu retten, konnte aber lediglich Hades und eine Begleiterin sowie zwei weitere Soldaten auf die Chrysanthemia bringen. Aus uns unbekannten Gründen hat er sie kurz darauf auf einem terrestrischen Planeten namens Aqua ausge­setzt.“

„Aus Hades Sicht herrscht immer noch Krieg zwi­schen den Prätorianern und den Xi“, sagte Nerva. „Kein Wunder, dass Brendan und Hades getrennte Wege gehen. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass auch die Xi die neuen Kommunikationskanäle zu nutzen wissen. Gewiss hat Okeanos schon Kontakt zu seinem Erus aufgenommen.“

„Davon wisse wir bisher nichts“, entgegnete Seab­erry. „Momentan jedenfalls erkundet Gardist Brendan mit einem autonomen Roboter die ver­meintliche Heimat der Zweiten Spezies.“

„Sie sind also die Erbauer der Tore?“

„Vermutlich, Prinzipat. Alle Anzeichen sprechen dafür.“

„Wie sehen diese Aliens aus?“

„Das können wir noch nicht sagen. Bisher hat sie noch niemand gesehen. Die Raumschiffe, die von ihnen konstruiert worden sind, werden ausnahmslos von modifizierten und genmanipulierten Mollusken gesteuert.“

„Mit diesen dummen Riesenschnecken hat das ganze Desaster überhaupt erst begonnen“, raunte Nerva.

„Offenbar sind diese dummen Riesenschnecken die Lebensgrundlage der Zweiten Spezies. Diese Infor­mation stammt von den Roten Wesen. Die Zweite Spezies ernährt sich von den Eiern der Gastropoden. Und zwar ausschließlich von den Eiern, so dass ihnen sehr daran gelegen ist, dass sich die Mollusken fortpflanzen und immer schön weitere der nahrhaf­ten kleinen Dinger legen.“

„Im Prinzip nichts Ungewöhnliches, würde ich sa­gen. Eine evolutionäre biologische Gemeinschaft. Eine alte Geschichte und meiner Meinung nach nicht unbedingt sensationell, Senator.“

„Was aber sensationell ist, sind die technisch unseren Anlagen bei weitem überlegenen Konstrukte, die Tore beispielsweise. Darüber hinaus befinden sich auf Cradle rund 5400 Raumschiffe, darunter zahlrei­che Jäger. Wir wissen nichts über deren Waffenbe­stückung, jedoch hat die Zweite Spezies an den Toren, die sich im Einzugsbereich um Cradle befin­den, unidentifizierbare Stationen angebracht, sowie weitere zahlreiche gigantische Konstrukte, die eben­falls um Life kreisen. In jedem Fall also ist diese Zweite Spezies außergewöhnlich fortschrittlich in Sachen technischer Entwicklung und deshalb mit Vorsicht zu genießen.“

„Können wir mit der Chrysanthemia in beide Rich­tungen kommunizieren?“, wollte Nerva wissen.

„Das sollte kein Problem darstellen. Die Permanent­verbindung steht nach wie vor.“

„Dann schicken sie Gardist Brendan folgende Nach­richt…“

 

Nerva flog, nachdem er noch weitere fünf Stunden im Büro des AOS-Chefs gesessen hatte, nicht zurück auf seinen Landsitz, sondern ließ sich von Confido in eine eigens für den Prinzipat eingerichtete Wohnung oberhalb der Senatshalle bringen. In schwierigen Sitzungszeiten schliefen die Prinzipate und früher auch die Obersten Beamten der Neutralen Behörde oft in dieser Zweitwohnung, die für manches dieser Staatsoberhäupter auch schon zur Heimat geworden war. Das Gespräch zu Emanuelle Braveé suchte Nerva erst, nachdem auch Confido sich in eine Ne­benwohnung zurückgezogen hatte. Ihr holographi­sches Bild erschien etwas undeutlich in Nervas Schlafgemach. Er selbst hatte sich bereits ins Bett gelegt und nicht mehr die Kraft sich in irgendeiner Weise staatsgerecht zu präsentieren.

„Laut meinen Daten ist es auch bei ihnen gerade mitten in der Nacht, Madame Braveé, daher ent­schuldige ich mich für meinen späten Anruf. Ich entschuldige mich auch für meinen Aufzug und meinen Aufenthaltsort, aber ich kann einfach nicht mehr stehen und habe starke Schmerzen. Ich hoffe, sie sehen es mir nach…“

Die Hohe Direktorin von Neutrum 5 hatte sich vor der Verbindung rasch einen wallenden cremefarbe­nen Morgenmantel übergestreift und ihr dichtes rotes Haar zu einem behelfsmäßigen Knoten zu­sammengebunden.

„Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, Prinzipat. Ein Mann ihres Ranges darf bei mir zu jeder Zeit und jeder Situation aufwarten. Ich gehe außerdem davon aus, dass sie nicht zum Plaudern angerufen haben, Prinzipat.“

„Ganz und gar nicht, meine liebe Madame Braveé. Denn wir haben seit heute Kontakt zu unserem Schiff in Andromeda und ich befürchte, wir steuern in eine intergalaktische Krise, deren Ausmaß nie­mand von uns zu fassen vermag. Da sie so ziemlich der einzige Mensch der Intersystematischen Konfe­renz sind, der tatsächlich eine vernünftige und ob­jektive Auffassungsgabe besitzt und darüber hinaus die einzige Person, die das Ansehen, die Immunität und die Neutralität aller Mitglieder genießt, frage ich sie nun um Rat. Besser gesagt, ich schlage ihnen nun vor, was ich gedenke zu tun beziehungsweise nicht zu tun.“

„Ich glaube, ich setze mich erst einmal und bestelle mir etwas Heißes zu trinken“, sagte die Hohe Di­rektorin daraufhin. Ihr Blick war, wie immer, offen und klar, ihre Tonlage sachlich und verständnisvoll.

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